Resolution
Selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck; einen freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren,
Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren; eine öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe;
eine Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen.
Ausreichend Master-Plätze und einen Rechtsanspruch für alle!
Gebührenfreie Bildung! Abschaffung der Verwaltungsgebühr!
Mehr und besser ausgebildete Dozierende! Gute Lehre kostet Geld!
Eine stärkere Demokratisierung der Universität! Wider dem HHG!
Mehr Einfluss in der universitären Verwaltung!
Studiengänge müssen studierbar sein! Sofortige Entschulung!
Mehr Bafög für alle, ohne Schulden statt Elitestipendium!
Eine barrierefreie Gestaltung des Studiums
Verabschiedet auf der Fachbereichs 03 Vollversammlung am 12.11.2009 mit ca. 400 ja-Stimmen und einer Enthaltung.
Gießen streikt – Forderungen zum Bildungsstreik 2009
Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen
des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware. Global sind es die GATS-Verträge, in Europa der Bologna-Prozess, die den Kern solcher Reformen bilden. Doch weltweit regt sich
Widerstand, auch in Gießen.
Die Studierenden in Gießen haben, ergänzend zu den allgemeinen Bildungsstreikthemen, folgende Forderungen aufgestellt:
Master für alle
Alle Studierenden müssen einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf einen Master-Studienplatz haben. Eine Reduzierung der Aufnahmekapazität auf durchschnittlich 30 Plätze in den Studiengängen,
wie etwa am Fachbereich 03, können wir nicht hinnehmen.
Der Bachelor-Abschluss qualifiziert ungenügend, nicht nur für den Beruf sondern auch für den allgemeinen Anspruch von Hochschulen. Ein wissenschaftliches Arbeiten ist durch den Bachelor allein
nicht möglich.
Der Bachelor transformiert Bildung in Ausbildung. Die allgegenwärtige Verschulung schließt somit selbstbestimmtes Lernen und Leben aus.
Deshalb fordern wir einen freien Zugang zum Master für alle Bachelorstudierenden.
Studierbare Studiengänge
Die Bolognareform ist gescheitert. Nahezu alle Studiengänge basieren auf Konzepten der „alten Studiengänge“, die fast alle in den sechssemstrigen Bachelor eingebunden sind. Es geht hierbei
nicht mehr um die Qualität, sondern um die Quantiät.
Daher fordern wir:
- Kein Modul darf länger als ein Semester sein
- maximal zwei Veranstaltungen pro Modul
- ein angemessenes Prüfen und Evaluieren - Weg mit dem Klausrenwahn !
- eine global ausgerichtete Studiengestaltung
- eine weitgehende Abschaffung der Modulvoraussetzungen
- Abschaffung der Anwesenheitspflicht
Ferner fordern wir mehr Bedeutung für die Methodenausbildung, Grundlagen der Wissenschaften und eine Reform zur Verteilung der Inhalte zwischen Bachelor und Master.
Barierrefreies Studium
Weg mit Bildungsbarierren aller Art! Dazu zählen alle Barrieren im Bildungssystem (von der Kita bis zur Hochschule), wie:
- der Geldbeutel der Eltern
- der ausländische Pass,
- die chronischen Erkrankung oder Behinderung
- das Geschlechts oder
- das Alter
Diskriminierung muss bekämpft und geächtet werden.
Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung, immer und überall!
Kohle, Kohlen und Euronen
Bildung für Alle – und zwar umsonst!
Wir fordern die sofortige Abschaffung aller Studiengebühren weltweit! Dazu zählen auch die Verwaltungsgebühren. Durch Verwaltungsgebühren wird eine soziale Selektion vorgenommen, die für uns
nicht tragbar ist.
Ferner fordern wir einen Hochschulzugang für alle, garantiert durch das Hochschulgesetz.
Bafög für Alle!
Wir fordern ein elternunabhängiges Bafög für alle in Ausbildung und Studium, in der Höhe von 800 Euro Netto. Außerdem müssen alle in Ausbildung und Studium durch den Staat sozialversichert
sein.
Zeitgleich stellen wir uns gegen das geplante „Elitenstipendiumprogramm“, welches US- amerikanische Verhältnisse in unseren Hochschulraum einführen würde.
Gute Lehre gewährleisten!
Wir fordern eine Abschaffung von Lehraufträgen. Diese müssen in feste Stellen als wissenschaftliche Mitarbeitende umgewandelt werden. Außerdem fordern wir mehr gut ausgebildete Dozierende. Nur so
kann mehr und bessere Lehre gewährleistet werden.
Zudem stellen wir uns entschieden gegen den geplanten Drittmittelzwang des neuen hessischen Hochschulgesetzes. Dies hat einen Einfluss der Wirtschaft in Lehre und Forschung zur Folge. Bildung
darf nicht konjunkturabhängig sein!
Deshalb fordern wir eine öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft, besonders im Bereich der Lehrinhalte.
Bildung demokratisieren!
Wir fordern eine Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen. Für die Hochschulen fordern wir den Zugang für Studierende in alle Ämter der Hochschulverwaltung.
Auch hier nimmt das neue hessische Hochschulgesetz nicht hinnehmbare Eingriffe in die Selbstverwaltung der Universität vor. Dieses sieht einen „neuen“ Hochschulrat vor, der nicht nur
Beratungskompetenzen inne hat, sondern wichtige Entscheidung für die strategische Zukunft der Hochschulen trifft. Zudem gehören dem Hochschulrat nur externe Mitglieder an. Eine selbstbestimmte
Vertretung von Universitätsmitgliedern ist somit ausgeschlossen.